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Nur, wer das Leben ernst nimmt, kann auch den Tod ernst nehmen

Tod und Sterben wird in unserer heutigen Gesellschaft sehr verdrängt. Sterben geschieht heute fast nur noch in Krankenhäusern oder Altenheimen. Um auch anderen ein bisschen Einblick in das Komplexe Thema Tod und Sterben zu geben  habe ich diese Seiten gestaltet. Aber auch für berufliche Helfer  ist sie gedacht

 

Ratschläge eines Sterbenden für seinen Begleiter 


Lass mich in den letzten Stunden meines Lebens nicht allein. Bleibe bei mir, wenn mich Zorn, Angst, Traurigkeit und Verzweiflung heimsuchen und hilf mir, zum Frieden hindurchzugelangen. Denke nicht, wenn Du ratlos an meinem Bette sitzt, dass ich tot sei. Ich höre alles, was Du sagst, auch wenn meine Augen gebrochen scheinen. Das richtige wäre, mir etwas zu sagen, was es mir nicht schwerer sondern leichter macht, mich zu trennen. 


So vieles, fast alles, ist mir jetzt nicht mehr wichtig. Ich höre, obwohl ich schweigen muss und nun auch schweigen will. Halte meine Hand. Ich will es mit der Hand sagen. Wisch mir den Schweiß von der Stirn. Streiche mir die Decke glatt. Wenn nur noch Zeichen sprechen können, so lass sie sprechen. Dann wird auch das Wort zum Zeichen.


Und ich wünsche mir, dass Du beten kannst. Klage nicht an, es gibt keinen Grund. Sage Dank. Du sollst von mir wissen, dass ich der Auferstehung näher bin als Du selbst. Lass mein Sterben, Dein Gewinn sein. Lebe Dein Leben fortan etwas bewusster. Es wird schöner, reifer und tiefer, inniger und freundlicher sein als es zuvor war, vor meiner letzten Stunde, die meine Erste ist. 

 

Hier habe ich nich ein paar Gedichte zu diesem Thema für euch:

 

Gedichte zu Tod und Sterben

 

Ich möchte gehen

Ich möchte auf eine Reise gehen,
von der es kein Wiederkommen gibt.
Ich möchte an einen Ort gehen,
wo Mensch noch Mensch ist.
Ich möchte dort spazieren gehen,
wo sanfte Klänge die Luft anfüllen.
Dort möchte ich über Wiesen wandern,
auf denen noch kein Haß existiert.
Dort möchte ich Luft atmen,
die nicht mit Angst bereichert ist.
Ich möchte Dörfer durchgehen,
in denen Das Leid nicht zu finden ist.
Ich möchte sie nicht hören,
die Stimmen der Toten,
die keine Erlösung fanden.
Ich möchte leben,
wo keine Geräusche der Angst regieren.
Und ich möchte scheiden
von einer Welt,
die Grauen baut.
Und möchte eintreten
in das ewige Reich der Stille...

Tod, Leben

Tod, das ist nicht ein letztes Mal

aushauchen und in die Grube fahren.

Tod ist die Verwandlung dieses Lebens

in ein anderes Leben - nur ein

Übergang.

Dieses Leben ist Gebundenheit und

Begrenztheit.

Das neue Leben ist Ungebundenheit

und Unbegrenztheit, denn wir sind

eins mit Gott.

Wir selber nehmen göttliches Leben an.

Lasst uns gehen!

Schnell!

Wir gehen nach Hause ...

Bernd von Bredow

 

Ein alter Mann geht vorüber

Ich war einmal ein Kind. Genau wie ihr. Ich war ein Mann. Und jetzt bin ich ein Greis.

Die Zeit verging. Ich bin noch immer hier Und möchte gern vergessen, was ich weiß.

Ich war ein Kind. Ein Mann. Nun bin ich mürbe. Wer lange lebt, hat eines Tags genug.

Ich hätte nichts dagegen, wenn ich stürbe. Ich bin so müde. Andre nennen's klug.

Ach, ich sah manches Stück im Welttheater. Ich war einmal ein Kind, wie ihr es seid.

Ich war einmal ein Mann. Ein Freund. Ein Vater. Und meistens war es schade um die Zeit...

Ich könnte euch verschiedenes erzählen, Was nicht in euren Lesebüchern steht.

Geschichten, welche im Geschichtsbuch fehlen, Sind immer die, um die sich alles dreht.

Wir hatten Krieg. Wir sahen, wie er war. Wir litten Not und sah'n, wie sie entstand.

Die großen Lügen wurden offenbar. Ich hab' ein paar der Lügner gut gekannt.

Ja, ich sah manches Stück im Welttheater. Ums Eintrittsgeld tut's mir noch heute leid.

Ich war ein Kind. Ein Mann. Ein Freund. Ein Vater. Und meistens war es schade um die Zeit...

Wir hofften. Doch die Hoffnung war vermessen.

Und die Vernunft blieb wie ein Stern entfernt. Die nach uns kamen, hatten schnell vergessen.

Die nach uns kamen, hatten nichts gelernt. Sie hatten Krieg. Sie sahen, wie er war.

Sie litten Not und sah'n, wie sie entstand. Die großen Lügen wurden offenbar.

Die großen Lügen werden nie erkannt. Und nun kommt ihr. Ich kann euch nichts vererben:

Macht, was ihr wollt. Doch merkt euch dieses Wort:

Vernunft muß sich ein jeder selbst erwerben, Und nur die Dummheit pflanzt sich gratis fort.

Die Welt besteht aus Neid. Und Streit. Und Leid.

Und meistens ist es schade um die Zeit.

Erich Kästner

 

 

Zu spät

Sie haben dich fortgetragen, Ich kann es dir nicht mehr sagen,

Wie oft ich bei Tag und Nacht Dein gedacht,

Dein und was ich dir angetan Auf dunkler Jugendbahn.

Ich habe gezaudert, versäumet, Hab' immer von Frist geträumet;

Über den Hügel der Wind nun weht:

Es ist zu spät.

(Theodor Friedrich Fischer)

 

Am Fenster

Nacht und Still' ist um mich her; Kaum ein Lüftchen regt sich mehr;

Nur der liebe Mond bescheint Nur so traulich seinen Freund.

Jede marternde Begier Still ist jeder Wunsch in mir,

Der wohl um ein Puppenspiel Dieser Welt mir sonst entfiel.

Kann ich reines Herzens nur Dich bewundern, o Natur;

Kann ich nur an Freundes Hand

Wandeln bis an Grabes Rand.

(Heinrich Christian Ludwig Senf)

 

 

Der letzte Baum

Sowie die Sonne untergeht, Gibt's einen letzten Baum,

Der, wie in Morgenflammen, steht Am fernsten Himmelssaum.

Es ist ein Baum und weiter nichts, Doch denkt man in der Nacht

Des letzten wunderbaren Lichts, So wird auch sein gedacht.

Auf gleiche Weise denk' ich Dein, Nun mich die Jugend läßt,

Du hältst mir ihren letzten Schein

Für alle Zeiten fest.

(Friedrch Hebbel)

 


 

 



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